Geschichte des Podewils Gewehres und sein Umbau  nach der Idee von Eduard Lindner

Im Jahr 1858 wurde die Einführung eines neuen Vorderladers bei der bayrischen Armee beschlossen.

Es war das Modell M/1858, ein Gewehr im modernen Kaliber von 13,9 mm, gebaut in Amberg, munitionsmäßig

passend zur Bewaffnung Österreichs und einiger Staaten des deutschen Bundes.

Baden, Württemberg und Hessen führten ebenfalls dieses Kaliber in ihrem "Vereinsgewehr",

gebaut von der württembergischen Gewehrfabrik Oberndorf, den späteren Mauser-Werken.

Die nach seinem Erfinder "Podewilsgewehr" genannte Infantriewaffe bildete den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss

der Vorderladerentwicklung.

Im "Deutschen Krieg" und sehr deutlich in der Schlacht von Königgrätz 1866 wurde allen schmerzlich bewusst,

dass den Hinterladersystemen die Zukunft gehört.

In aller Eile suchte das Königreich Bayern nach einer schnellen Lösung, dabei wurden gleichzeitig zwei Wege beschritten:

Zum einen wurde 1867 eine Kommission eingesetzt, deren Ziel die Neuentwicklung eines Hinterladers war.

Daraus ging am Ende das Werdergewehr hervor, das M/1869, das erste Hinterladergewehr der deutschen Länder mit Metallpatrone und Zentralzündung.

 

Um sofort Hinterladungsgewehre zur Verfügung zu haben wurde das vorhandene M/1858 in der Gewehrfabrik Amberg

unter der alleinigen Regie von Podewils auf Rückladung geändert.

Nach einem Vorschlag, den Eduard Lindner der bayrischen Krone vorgelegt hatte, wurde ein Verschluss eingebaut,

der es erlaubte Papierpatronen von hinten zu laden und mit dem vorhandenen Perkussionsschloss zu zünden.

Das Gewehr wurde nun M/1858/67 genannt und bis zum Krieg gegen Frankreich 1870/71 geführt, weil die Produktion

der Werder(Blitz) Gewehre zu langsam vorankam.

Die Umrüstung macht also im Rückblick Sinn, denn obwohl das Modell M1858/67 nach zwei Jahren schon durch ein

Moderneres abgelöst wurde, wären die Bayern 1870 ohne den Umbau mit Vorderladern im Feld gestanden.

Auch die, teilweise aus dem schwierigen Verhältniss des süddeutschen Staates zu Preussen  hervorgegangene Weigerung,

das Zündnadelgewehr zu übernehmen, hatte ihre gute Seite:

Nur dadurch konnte ein gutes System (Dreyse) durch ein besseres (Metallpatrone) ersetzt werden.

 

Die " Kaffeemühle", wie das Podewils-Lindner-Gewehr von den Soldaten scherzhaft genannt wurde,

erlebte so seinen ordonanzmäßigen Einsatz zu einer Zeit, als die Metallpatrone schon Stand der Technik war.

 

Illustration aus dem Buch

"Der Krieg gegen Frankreich 1870 -71"

von Prof. Theodor Lindner, Universität Halle

 

Die Bewaffnung mit Podewils- Lindner Gewehren

ist auf diesem Bild sehr gut zu erkennen.

General-Leutnant Philipp Freiherr von Podewils

 

Geboren 14.3.1809 in Amberg, gestorben am 25.11.1885 in Amberg

 

Nach seinem aktiven Dienst trat er 1839 in die Gewehrfabrik Amberg ein,

die er von 1853 - 76 leitete.

Er wurde 1869 zum Generalmajor befördert und verließ  die Fabrik

als Generalleutnant.